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Leserbrief: Abschiebung von Familie Quni

Sehr geehrte Redakteurinnen und Redakteure der Westfalenpost,
aus Ihrer Ausgabe vom 21.01.2017 konnte ich erfahren, dass es der Ausländerbehörde gelungen sei, eine fünfköpfige albanische Familie abzuschieben. Hinter dieser Abschiebung stecken jedoch Einzelschicksale, auf die keineswegs kritisch eingegangen wird. Die Familie hat sich hier in Deutschland sehr gut integriert und sich ordnungsgemäß verhalten. Vater und Mutter haben gearbeitet; die älteste Tochter – die eine Gehbehinderung hat – hat zusammen mit ihrer Mutter im Chor gesungen und hätte nach der 10. Klasse die Möglichkeit gehabt, auf das Gymnasium zu wechseln; der 15-jährige Sohn war aktiv im Fußballverein und bei der Jugendfeuerwehr und hätte nach seinem Schulabschluss gern eine Lehre zum KFZ-Mechaniker begonnen; die jüngste Tochter wurde gerade eingeschult und ging mit viel Freude in die Schule und lernte fleißig die deutsche Sprache.
In Albanien hingegen steht die Familie vor dem Nichts. Ihre alte Wohnung ist nicht mehr bewohnbar. Um in das Krankenkassensystem – welches vor allem für die gehbehinderte Tochter von enormer Wichtigkeit ist – zurückzukommen, wird von der Familie gefordert, Geld für das korrupte System bereitzustellen. Darüber hinaus weigern sich die Kinder zu essen, da sie traumatisiert sind.
Es ist traurig zu sehen, dass die Ausländerbehörde mit der Abschiebung die Existenz der Familie zerstört hat. Vor allem, weil der Familie Arbeitsverträge vorlagen, sodass sie auf Sozialleistungen hätte verzichten können. Einzig die Genehmigung der Behörde fehlte. Schade, dass man dieser Familie keine Chance in Deutschland ermöglichen wollte.
Stattdessen wurde also die Abschiebung erfolgreich durchgeführt. Dies bedeutet, dass sich morgens um 5 Uhr insgesamt 12 Personen Zugang zur Wohnung der Familie verschafft und die Kinder sowie deren Eltern aus dem Schlaf gerissen haben. Der Familie blieb eine Stunde Zeit ihre Sachen zu
packen. Eine Tochter, die völlig verängstigt auf die Masse an Polizisten reagierte, wurde mit Tabletten ruhig gestellt. Die Abschiebung wurde vorher nicht angekündigt, sodass die Familie der Möglichkeit beraubt wurde, sich von den vielen Freunden die sie in Deutschland gewonnen haben
verabschieden zu können.
Es ist völlig nachvollziehbar, dass nicht jeder Mensch in Deutschland aufgenommen werden kann, aber warum schiebt die Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises gerade die Menschen ab und konzentriert knappe personelle Ressourcen auf die Menschen, die sich hervorragend integrieren, hier arbeiten gehen und ihren Teil dazu beitragen die Region lebens- und liebenswerter zu machen?
Mit freundlichen Grüßen,
Freundinnen und Freunde der Familie

Dieser Leserbrief bezieht sich auf einen Bericht der Westfalenpost vom 21.01.2017. Der Bericht kann hier eingesehen werden: www.wp.de/staedte/meschede-und-umland/probleme-mit-der-abschiebung-id209342873.html

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2 Comments

  1. Y.Kirtz
    13. Februar 2017
    Antworten

    Eine ähnliche Geschichte spielte sich zu meinen Schulzeiten in Bestwig ab. Eine komplett integrierte Familie wurde abgeschoben einzig der vorbestrafte Sohn durfte bleiben weil er hier geheiratet hat… Absolut unverstandlich! Die Begründung damals sie würden gebraucht ihr Land wieder aufzubauen war eine Ausrede. Der Kosovo wollte sie gar nicht wieder haben! Ich frag mich ob das ganze Deutschlandweit so läuft, die schlimmsten Beispiele kenne ich nur aus Bestwig.

  2. G. Joch
    13. Februar 2017
    Antworten

    Viele Tragödien ereignen sich unter Ausschluß der Öffentlichkeit, vermute ich. Öffentlichkeit und Medien schweigen …

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