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Blogbeitragsreihe – Das Interview: Kinderrechte und die Gedanken der Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Kinderrechtskonvention

Kinderrechte und die Gedanken der Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Kinderrechtskonvention

 

„Kinderrechte meets dich und mich“

In der Blogreihe „Kinderrechte meets dich und mich“ treffen 13 spannende Fragen zum Thema Kinderrechte auf vier verschiedene Personengruppen. Eine KRF-Mitarbeiterin, eine Studentin, eine Juristin und die Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Kinderrechtskonvention beantworten die Interviewfragen ehrlich und geben somit ihre eigene Meinung zu dem wichtigen Thema preis. Anschließend sollen die Interviews ausgewertet und verglichen werden, um ein aussagekräftiges Resultat aus den Ergebnissen ziehen zu können.

Hierbei geht es darum, einen möglichen Überblick zum Meinungsbild in Deutschland über den Themenkomplex Kinderrechte zu bekommen. Wir stellen uns somit die Fragen, wie präsent das Thema in den Köpfen der Menschen ist und wollen auch herausstellen, inwiefern gehandelt werden kann und sollte, um Kinderrechte zu verwirklichen.

Kinderrechte und die große Diskussion

Kinderrechte stehen häufig einer großen Diskussion gegenüber. Es geht darum, dass Kinderrechte in das Grundgesetz aufgenommen werden sollen. Befürworter fordern diese Aufnahme, um Kindern unter anderem ihre Rechte zu sichern und diese vor allem zu untermauern.

Gegner, die wiederum gegen die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz sind, argumentieren mit den Begriffen „Symbolpolitik“ und empfinden solch eine Diskussion als Förderung von rechtlicher Distanz zwischen Kindern und Eltern.

Sicherlich gibt es auf beiden Seiten noch viel mehr Pro- und Contra-Argumente. Doch alleine die Tatsache, dass Deutschland bloß auf Platz 8 des KidsRights Index 2018 ist, verdeutlicht die nötige Aufmerksamkeit für das extrem wichtige Thema. Dieser Index zeigt an, inwiefern die einzelnen Länder das Realisieren der Kinderrechte optimieren können und wie die Kinderrechte in den jeweiligen Ländern überhaupt eingehalten werden. Somit kommt auch die Frage auf, ob Deutschland ein großes Problem mit der Verwirklichung von Kinderrechten hat.

Das Interview mit Claudia Kittel – die Leiterin der Monitoring-Stelle zur UN-Kinderrechtskonvention

Claudia Kittel ist Diplom-Erziehungswissenschaftlerin. Seit dem Jahre 2015 leitet sie die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention beim Deutschen Institut für Menschenrechte. Außerdem lehrt sie an der Freien Universität Berlin und war für längere Zeit Moderatorin für viele Kinderrechtsorganisationen. Generell setzt sich Claudia für Kinder und die Verwirklichung von Kinderrechten ein. Außerdem arbeitet sie noch in vielen weiteren Bereichen, die allesamt die Rechte von Kindern als Schwerpunkt haben.

Das Interview

  1. Frage: Beschreibe dich in 3 Worten
    • Ich bin eine in vielen Lebensbereichen begeisterungsfähige und kommunikative Person
    • Ich radele bei Wind & Wetter durch die Gegend
    • Ich liebe guten italienischen Kaffee!
  2. Frage: Beschreibe dein momentanes Leben in 3 Worten
    • Familie
    • Arbeit
    • Lesen
  3. Frage: Wärst du ein Tier, welches wäre es?
    • Feldhase
  4. Frage: Was verbindest du mit Kindern?
    • stehen im Hier & Jetzt
    • impulsiv & begeisterungsfähig
    • zu verplant durch Erwachsene
  5. Frage: Was ist für dich Kindheit?
    • Das ist für mich kein fester Zeitraum.
    • Mehr ein Gefühl i.S.v. „sich noch als Kind fühlen“ oder eben nicht mehr.
    • Daher eher ein „Auftrag“ an Erwachsene, in einem gemeinsamen Prozess einen Menschen von klein an darin zu unterstützen, sich selbst zu entdecken und in dieser Welt zurechtfinden zu können und dabei die ganze Zeit Stück für Stück loszulassen.
  6. Frage: Wusstest du, dass Kinder eigene Rechte haben und wenn ja, welches Kinderrecht kommt dir zuerst in den Kopf?
    • Ja, das wusste ich. Von der UN-Kinderrechtskonvention habe ich aber erst im Studium erfahren.
    • Mir kommt immer als erstes das Recht von Kindern auf Gehör und Berücksichtigung ihrer Meinung (Art. 12) in den Sinn.
  7. Frage: Was verbindest du mit Kinderrechten?
    • Ich verbinde mit Kinderrechten immer die UN-Kinderrechtskonvention und ihre sogenannten 3 P’s (das kommt von den englischen Begriffen protection = Schutz / provision = Förderung und partcipation = Beteiligung). Damit verbinde ich die Grundaussage, dass Kinder von Anfang an Menschen mit eigenen Rechten und Interessen sind und Erwachsene sie nicht nur schützen, sondern Ihnen auch Leistungen zu ihrer Förderung bieten sollen und ihrer Meinung auch Gehör und Berücksichtigung schenken müssen.
  8. Frage: Welches Recht sollte auf jeden Fall jedes Kind auf der Welt haben? Welches ist für dich das wichtigste Recht?
    • Es gibt für mich nicht „das wichtigste Recht“, sondern mir geht es darum, dass Kinder genauso wie alle anderen Menschen ihre Menschenrechte verwirklichen können.
  9. Frage: Denkst du, dass Kinderrechte in Deutschland umgesetzt werden?
    • Ich denke, dass wir in Deutschland schon auf einem guten Weg sind, wenn es um die Umsetzung der Kinderrechte aus der UN-Kinderrechtskonvention geht. Mir fehlt aber immer noch ein klares Bild davon, was eigentlich passiert, wenn ein Kind sich in seinen Rechten verletzt fühlt. Wo bekommt man als Kind Hilfe dabei, etwas an der Situation zu ändern? Bei Gewalterfahrungen wird das langsam klarer, aber was ist wenn sich ein Kind in der Schule total benachteiligt fühlt oder wenn ein Kind seinen Papa nicht sehen kann, weil der gerade im Gefängnis ist? Hier fehlt mir ein Ort, der ganz eindeutig und ausschließlich für die Rechte der Kinder zuständig ist und als allererste Anlaufstelle für Kinder und Menschen ihres Vertrauens funktionieren kann. Funktionieren in der Form, dass man dort Hilfe bei der Suche nach dem/der richtigen Ansprechpartner_in bekommt.
  10. Frage: Warum brauchen Kinder exklusive Rechte? Oder warum eben nicht?
    • Kinder sind Menschen und damit haben sie die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte feiert in diesem Jahr ihr 70jähriges Jubiläum. In Fortschreibung dieser Erklärung sind einige sogenannte Konventionen (verbindliche Menschenrechtsverträge) für Gruppen von Menschen entstanden, denen der Zugang zu ihren Menschenrechten aus den unterschiedlichsten Gründen erschwert ist. Die UN-Kinderrechtskonvention mit den expliziten Kinderrechten ist eine davon. Und dahinter steckt die Erkenntnis, dass Kinder beim Zugang zu ihren Menschenrechten in einer „naturgegebenen“ Abhängigkeit von Erwachsenen stehen. Deswegen betont die Kinderrechtskonvention auch ganz besonderes die Rolle der Erwachsenen (Art. 5 UN-KRK) Kinder bei der Ausübung ihrer Rechte „(…) angemessen zu leiten und zu führen“. Sie erinnert die Erwachsenen auch daran, dass Kinder nicht nur Schutz brauchen, sondern auch als eigenständige Träger_innen von Rechten wahrgenommen zu werden.
  11. Frage: Was würdest du einem Kind raten, dessen Rechte und Gefühle unterdrückt werden?
    • Ich rate jedem Menschen in so einer Situation, sich an eine Person zu wenden, der man vertraut. Kindern rate ich darüber hinaus, sich nicht „nur“ an Freunde zu wenden, sondern auch noch an eine erwachsene Person, der sie vertrauen. Und dann hoffe ich sehr, dass diese Person weiß, wo man Unterstützung für eine Änderung der Situation finden kann. Wie bei Frage 9 schon erläutert, fehlt hier – meiner Meinung nach – eine klar zu identifizierende Stelle in Deutschland.
  12. Frage: Hast du dich schon mal ehrenamtlich für Kinder engagiert und wenn ja wie?
    • Ich arbeite seit vielen Jahren hauptberuflich (also „amtlich“?) für die Verwirklichung der Kinderrechte. Da bin ich aber sicherlich nur gelandet, weil ich selbst schon als Jugendliche mit Kindern in Jugendgruppen ehrenamtlich zusammen tolle Sachen erlebt und organisiert habe und dabei erleben konnte, dass wir Dinge verändern konnten. Wenn auch „nur“ im Kleinen.
  13.  Frage: Was können die Politiker machen, damit jedes Kind seine Kinderrechte verwirklichen kann?
    • Politiker_innen können dazu beitragen, dass Deutschland seiner Staatenpflicht nachkommt. Die UN-Kinderrechtskonvention ist in Deutschland seit 1992 gültig. Deutschland ist damit die Verpflichtung als Staat eingegangen die in der Konvention stehenden Rechte von Kindern zu gewährleisten, zu achten und zu schützen (auch vor Verletzungen durch Dritte). Das Handeln von Politiker_innen in Deutschland sollte dies daher immer berücksichtigen. Wenn es also darum geht, festzulegen, was Lehrer_innen in ihrer Ausbildung alles lernen sollen, dann sollten dabei die Kinderrechte unbedingt auch eine wichtige Rolle spielen. Wenn Kinder im Falle einer Trennung ihrer Eltern angehört werden, dann sollte es dabei Standards dafür geben, dass diese Anhörung auch wirklich kindgerecht erfolgt und Kinder alle notwendigen Informationen in einer kindgerechten Weise erhalten. Und wenn es darum geht, dass ein Kind seinen Elternteil im Gefängnis besuchen will, dann sollten Besuchszeiten auch außerhalb der Schulzeit liegen, damit das überhaupt geht. Ich könnte noch viel mehr Beispiele nennen!

Sarah K.

Sarah Kohlgraf war von August bis Oktober 2018 Marketing-Praktikantin im KRF. Während ihres Praktikums hat sie Blogbeiträge zum Thema Kinderrechte verfasst und zudem in Zusammenarbeit mit Eva Kirsch eine Blogbeitragsreihe mit Interviews zum Thema Kinderrechte veröffentlicht.

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