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Kinderrechte in Ghana

Das Land Ghana, gelegen im Westen Afrikas, erlangte am 06. März 1957 seine Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Wie die meisten afrikanischen Länder unterzeichnete und ratifizierte auch Ghana die UN-Kinderrechtskonvention, die am 02. September 1990 durch die UN-Generalversammlung in Kraft trat. Somit verpflichtete sich das Land, die Rechte von allen Kindern unter 18 Jahren anzuerkennen und zu schützen.

Das familiäre System in Ghana ist nicht mit dem deutschen zu vergleichen. Während in Deutschland eine Familie aus Mutter, Vater, Kind besteht (Klassisches Familiensystem), ist in Ghana neben diesem Klassischen System noch ein zweites zu finden: Das Erweiterte Familiensystem, bei dem eine Familie neben den eigenen noch weitere Kinder großzieht. Dies können nahe Angehörige wie Neffen oder Nichten sein, aber auch Kinder, deren Eltern wenig Geld verdienen oder zu weit weg von der Schule wohnen.

Aufgrund der stark verbreiteten Religion (ca. 70% Christen und 30% Muslime) stehen die religiösen Werte über den Rechten des Kindes. So ist es z. B. in Ghana üblich, dass alle Kinder im Haushalt helfen oder vereinzelt alle häuslichen Aufgaben übernehmen. Söhne waschen Autos, reparieren Gegenstände im Haus oder kümmern sich um den Garten. Mädchen halten die Küche sauber oder fegen Haus und Hof. Die Mutter ist für den Einkauf und die Zubereitung von Mahlzeiten zuständig, während der Vater ebenfalls im Garten arbeitet oder einfach das Geld nach Hause bringt. Immer, wenn die Eltern ihre Kinder rufen, müssen diese erscheinen und die ihnen gestellten Aufgaben erfüllen. Dies kann zum Beispiel das Umschalten des Fernsehsenders oder das Bringen von Dingen sein. Das Recht auf Freizeit, Spiel und Erholung sowie das Recht auf Religions- und Meinungsfreiheit bleibt hierbei unbeachtet.

Das ghanaische Schulsystem ist ebenfalls abweichend von dem deutschen. Während in Deutschland die Kinder und Jugendlichen durch selbstständiges Arbeiten lernen, wird in Ghana ausschließlich frontal unterrichtet. Da es keine mündlichen Noten gibt und die Lehrerinnen und Lehrer oft Probleme haben, die Konzentration der Schülerinnen und Schüler auf den Unterricht zu lenken, wird in ghanaischen Schulen ein Cane (Rohrstock) eingesetzt. Die Regierung hat inzwischen strenge Regeln für die Benutzung des Rohrstocks eingeführt und plant das Schlagen Schritt für Schritt aus der Schule zu verbannen. Es ist zu beachten, dass nicht pauschal gesagt werden kann, dass alle Lehrer/innen "canen". Das Schlagen ist oft abhängig von der Persönlichkeit der Lehrkraft sowie der Schule. Es gibt auch Lehrer/innen, die von einer Benutzung des Cane absehen. Auch in einigen Familien werden Kinder von ihren Eltern aus erzieherischen Gründen geschlagen. Hier wird das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens verletzt.

Menschen mit Behinderung werden in Ghana nicht gefördert. Während eine körperliche Behinderung von der Gesellschaft akzeptiert wird, werden Menschen mit geistigen Behinderungen oder Krankheiten auf der Straße ausgesetzt. Sie leben meist verwahrlost am Straßenrand. Hier wird nicht nur das Recht von Kindern auf Betreuung bei Behinderung missachtet, sondern auch das allgemeine Menschenrecht auf Verbot der Diskriminierung.

Mein Name ist Clara Tristram, ich bin 21 Jahre alt und habe mich nach meinem Bachelorstudium dazu entschieden, für ein Jahr nach Ghana zu gehen, um dort einen einjährigen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst im Rahmen des weltwärts-Programms zu absolvieren. Hier in Ghana arbeite ich als Teaching Assistant in einer Junior High School.

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