Im Nachhinein wird deutlich: Hätte man uns, die jungen Wähler*innen, und unsere Anliegen mal besser ernst genommen. Denn die Rechnung ist aufgegangen und die Europawahl wurde zur Klimawahl. Die Umweltpolitik und der Klimaschutz war das wahlentschiedene Thema und bewegte so viele Wähler*innen wie seit langem nicht mehr dazu, ihre Stimme abzugeben. Knapp 60% der deutschen Bürger*innen haben von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht, um sich für Europa einzusetzen. Gerade unter jungen Wählern und Wählerinnen war die Wahlbeteiligung so hoch wie lange nicht mehr. Dies zahlte sich vor allem für die Grünen aus, denn rund  ⅓ der jungen Wähler*innen wählten grün. Die bekennende Umweltpartei erzielte so ihr bestes Ergebnis seit Jahren. Für Union und SPD sah das Ergebnis allerdings düster aus – sie verzeichnen das historisch schlechteste Wahlergebnis.

Woran hat das gelegen?

Medien sprechen von dem “Greta Thunberg Effekt”: Die Jugend hatte in ihren Fridays for Future Demonstrationen schon angekündigt, für die eigene Zukunft zu kämpfen. Und so überrascht es eben nicht, dass gerade die junge Generation sich durch ihre Stimme zum Klimaschutz bekennt. Durch die Demos wurde dieser zum stark diskutierten Thema in den Medien, war präsent wie nie – und machte die Europawahl zur Klimawahl. Das Wahlergebnis spiegelt die derzeitige Dynamik gut wider: Junge Menschen fordern lautstark ein Umdenken, ältere Menschen bleiben beim Altbekannten und sehen den Klimaschutz nicht als ihre Baustelle an. 

Hier wird deutlich, dass man junge Wähler*innen nicht unterschätzen sollte. Wurden die Fridays for Future Demos noch als “Gelegenheit zum Schule schwänzen” abgetan, sollten langsam auch die Volksparteien einsehen, auf die Jugend angewiesen zu sein. 

Besonders die Union ist immer wieder mit den Herausforderungen der jungen, digitalen Welt überfordert und büßte so junge Stimmen ein. Paradebeispiel dafür war der Umgang mit dem Kritikvideo des Youtubers Rezo. Auf das einstündige Video “Die Zerstörung der CDU” antwortete die Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) mit einer 11-seitigen PDF – muss man dazu noch mehr sagen? Da ist ja jede langweilige Schullektüre noch interessanter.

Wir müssen jünger, moderner, cooler werden“

CSU-Chef Markus Söder

Für die Union ist es in Zukunft also wichtig, jünger zu werden und souveräner auf digitale Herausforderungen zu reagieren. CSU-Chef Markus Söder scheint dies bereits begriffen zu haben:  „Wir müssen jünger, moderner, cooler werden“ (Tagesschau). Vielleicht hat er auch einen Tipp für AKK? Meinungsregulierungen im Internet können auf jeden Fall nicht die richtige Antwort auf Kritik sein.

 

Was meint ihr: Wie können die Volksparteien wieder mehr junge Wähler*innen ansprechen?

Fotos: Tagesschau.de  

Das Rezo-Video im Faktencheck

Er ist wohl der Bekannteste unter den deutschen Klimaforschern: Stefan Rahmstorf, Klimatologe und Abteilungsleiter am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Auch er hat sich wie Millionen andere das Rezo-Video angesehen und es einem Faktencheck unterzogen.

Kosima Kosak

Kosima ist seit 2018 beim KRF und engagiert sich ehrenamtlich im Fachbereich Projekte. Dort entwickelt sie unter anderem mit weiteren Teamkolleg*innen neue Projekte, Veranstaltungen und Aktion. 
Sie studiert außerdem Erziehungswissenschaft und arbeitet als persönliche Assistenz für einen jungen Mann mit Behinderung. Vor ihrer Zeit beim KRF war sie im Ausland und hat dort Praktika gemacht, gearbeitet und ist gereist.