Digitalisierung

Digitalisierung

Digitale Medien sind aus der heutigen Welt kaum noch wegzudenken, egal ob am Computer, am Smartphone oder an der Spielkonsole, Kinder haben täglich mit digitalen Medien zu tun. Was bedeutet das aber nun für Kinder, so jung schon so viel Kontakt zur digitalen Welt zu haben? Welche Gefahren und Risiken bestehen und welche Chancen eröffnen sich für Kinder, etwa im Bildungsbereich?

 

Was bedeutet Digitalisierung überhaupt?

Kurz gesagt bedeutet Digitalisierung, dass analoge Medien, wie etwa Musikstücke auf Kassetten, Diafilme oder Papierakten in die digitale Form umgewandelt werden. Das klingt nun zunächst nicht so spektakulär, hat aber weitreichende Konsequenzen für alle Bereiche des Lebens, sei es auf der Arbeit, Zuhause, in der Schule oder unterwegs mit Freunden. Digitalisierung umgibt uns überall: Ob beim Bezahlen über unser Online-Banking, beim Bücherlesen über den E-Reader, beim Unterricht via Videokonferenz oder bei virtuellen Treffen in einem Onlinespielraum. Es gibt unzählige Beispiele für Digitalisierung im Alltag, mit denen auch Kinder bereits in sehr jungen Jahren in Berührung kommen. Besonders einschneidend wirkt sich die Digitalisierung auf unsere Kommunikation aus und bringt gerade in diesem Bereich einige Chancen, aber auch Gefahren mit sich. 

Welche Chancen ergeben sich aus der Digitalisierung?

Eine zentrale Chance der Digitalisierung, insbesondere des Internets, ist das umfangreiche Informations- und Wissensangebot, auf das jederzeit und ohne viel Aufwand zugegriffen werden kann. Bei Vorschulkindern stehen dabei vor allem Spiele, Videos, Filme und Bilder im Vordergrund, während Schulkinder das Internet vermehrt nutzen um Informationen zu Themen wie etwa Sport zu suchen, zu spielen oder Erklärungen für die Schule nachzuschauen. Das Internet hat großes Potenzial, Kindern anschaulich, einfach und trotzdem informativ Wissen näherzubringen. 3 bis 8-jährige Kinder zeigen mehr Initiative beim Lernen, die durch Lernspiele und Lernangebote im Internet ausgelöst und verstärkt werden kann. Solche Angebote ermöglichen es den Kindern, sich wichtige Fähigkeiten anzueignen und sie zu trainieren, wie etwa die eigene Konzentrationsfähigkeit oder die räumliche Navigation. Kindergerechte Medieninhalte fördern die Fantasie und regen zum Mitmachen an, und das alles  an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst. 

Die Vernetzung mit digitalen Medien ermöglicht es Kindern außerdem, dass sie mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt stehen und sich für ein Treffen in der realen Welt verabreden können. Im Gegensatz zu der häufig vertretenen Meinung, dass das Internet zu sozialer Vereinsamung führt, zeigt eine Studie des ifo-Instituts, dass das Internet einen positiven Einfluss auf die sozialen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen hat. Das liegt daran, dass Kinder mehr an Gruppenaktivitäten, Musik- oder Gesangsunterricht oder Jugendgruppen teilnehmen, da sie im Internet viele Informationen über Freizeit- und Kulturangebote sowie über Politik und ehrenamtliches Engagement abrufen können.

Medien wie das Fernsehen sorgen auch dafür, dass sich Kinder mit Themen aus ihrer Umwelt auseinandersetzen. Dabei werden fiktive Figuren aus Spielen und dem Fernsehen oft als Vorbilder oder Partner angesehen, mit denen sich die Kinder identifizieren und die ihnen beim Umgang mit Fragen und Problemen helfen können. Allgemein liefert das Internet einen einfachen Zugang zu Hilfsangeboten, wenn sich ein Kind oder ein Jugendlicher einmal in einer Krise befindet oder sich mit Problemen Zuhause oder in der Schule konfrontiert sieht.

Welche Gefahren gehen von der digitalen Welt aus?

Neben den zahlreichen Chancen, die sich aus der Nutzung von modernen Medien ergeben, birgt sie auch einige Gefahren und Risiken, denen sich Kinder aussetzen, wenn sie in der digitalen Welt unterwegs sind. Auch wenn im Internet ebenso Gesetze und Regeln gelten wie im realen Leben, bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, bei denen Aktivitäten anonymisiert ausgeübt werden und sich Menschen unter einer Art “Tarnmantel” bewegen. So müssen Kinder besonders aufpassen, wenn sie private Informationen im Internet preisgeben, um nicht auf Betrugsmaschen, wie gefälschte Websites, Online-Spiele oder Phishing  hereinzufallen. Das Internet bietet Kindern außerdem Zugang zu vielen Inhalten, die nicht für kindergerecht sind und die die Kinder nachhaltig negativ beeinflussen können, wie etwa gewalttätige, diskriminierende oder pornografische Inhalte. 

Zudem kann die Preisgabe privater Informationen dann problematisch sein, wenn diese Informationen das Kind ein Leben lang verfolgen, etwa bei sehr intimen oder peinlichen Inhalten. Oft können derartige Posts der Auslöser für Cyberbullying sein. In einer Google Umfrage aus dem Jahr 2019 berichten Lehrer*innen, dass Cyberbullying ihnen die größten Sorgen macht, wenn es um die Sicherheit der Kinder im Klassenzimmer geht. In einer Vergleichsstudie mit 30 Ländern zeigt sich, dass ein Drittel aller jungen Menschen schon einmal Mobbing erfahren hat und etwa jeder Zweite bereits bedrohliche und/oder einschüchternde Nachrichten online erhalten hat. Zudem geben 90% der Kinder an, schon einmal Cyberbullying mitbekommen, es aber ignoriert zu haben. Cyberbullying gehört zu den größten und aktuellsten Gefahren für Kinder im Internet. Das Mobbing überträgt sich oftmals auf das reale Leben, das soziale und schulische Umfeld der Kinder und führt zu Isolation und erheblicher Beeinträchtigung des kindlichen Wohlbefindens. 

Die digitale Welt kann außerdem noch auf ganz andere Arten isolierend sein: Die Tatsache, dass ein großer Teil der Kommunikation von Kindern und Jugendlichen online stattfindet, kann dazu führen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien von Gleichaltrigen ausgeschlossen werden, da unter Umständen nicht genügend Geld zur Verfügung steht, um jedem Kind ein eigenes Smartphone zu ermöglichen. Das ist nicht nur unter einem sozialen Gesichtspunkt bedeutend, sondern auch im schulischen Kontext: So sind Kinder, die keinen Computer oder WLAN Zuhause haben bei Hausaufgaben und anderen Schularbeiten oft automatisch benachteiligt, was letztendlich zu unterschiedlichen Bildungschancen für die Kinder führen kann. 

Eine weitere Gefahr des Internets besteht darin, dass Kinder in Kontakt mit Sexualstraftätern geraten können. Diese nutzen in der Regel das Vertrauen und die Leichtgläubigkeit von Kindern aus, um so an kinderpornografisches Material zu gelangen oder die Kinder von sehr gefährlichen persönlichen Treffen zu überzeugen. Oft geben sich die Täter dabei als jemand Anderes aus oder nehmen fiktive Persönlichkeiten an.

Ein weiteres Risiko für das kindliche Wohlbefinden und dessen Schutz geht von Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram & Co aus. Ein Bericht der RSPH zeigt, dass neben Gefahren wie Cyberbullying vier weitere Bereiche durch die Nutzung von Social Media besonders negativ beeinflusst werden: Social Media verstärkt bei vielen jungen Menschen depressive Gefühle und Angstzustände. Der Grund dafür ist, dass Social Media ein unrealistisches Bild der Welt wiedergibt, da sich alle Menschen nur so zeigen, wie sie gerne von der Masse gesehen werden möchten. Dadurch steigt für viele Kinder und Jugendliche der Druck an sich selbst, diese unrealistischen Erwartungen zu erfüllen. Da dies oft nicht gelingt, können bei jungen Menschen Gefühle der Wertlosigkeit oder Minderwertigkeit entstehen. Diese Gefühle betreffen besonders das eigene Körperbild, da sich die Kinder und Jugendlichen mit – oft gephotoshopten – Bildern von Models im Internet vergleichen. Der ständige Gebrauch von digitalen Medien führt außerdem häufig zu Schlafproblemen, da das LED Licht das Einschlafen erschwert. Ein weiteres mittlerweile weit verbreitetes Symptom der Social Media Nutzung ist die sogenannte Fomo (Fear of missing out; deutsch: Angst, etwas zu verpassen). Fomo beschreibt die zwanghafte Sorge, eine wichtige soziale Interaktion oder ein Erlebnis zu verpassen. Kinder und Jugendliche haben das Bedürfnis, ständig auf dem Laufenden zu bleiben und alle ihre Erlebnisse online zu teilen. Fomo bewirkt aber auch, dass man traurig ist, wenn man mal bei einem Event nicht dabei sein kann und zusehends Ängste entwickelt, etwas zu verpassen.

Wie wir anhand all dieser Beispiele sehen können, gibt es für Kinder und Jugendliche viele Gefahren in der digitalen Welt. Es gibt aber auch zahlreiche Möglichkeiten, um junge Menschen im Internet zu schützen

Kindermedienschutz

Kindersuchmaschinen sind dafür da, Kindern eine alternative Suchfunktion zu bieten. Sie werden jedoch kaum genutzt. Laut einer Studie des DJI nutzen über 50% der befragten 6-13-Jährigen bevorzugt Google. Doch warum nutzen Kinder und Jugendliche in dem Alter nicht kindgerechte Suchmaschinen? Diese Frage lässt sich leicht beantworten. Zum Einen liegt es daran, dass die Eltern nicht über Kindersuchmaschinen Bescheid wissen und zum Anderen daran, dass sie nicht zwischen internen (innerhalb einer Website) und externen Suchmaschinen (im world wide web) unterscheiden können.

Wieso sollten Kinder alternative und kindgerechte Suchmaschinen nutzen? Die Nutzung der Kindersuchmaschinen lässt viele Gründe für sich sprechen. Sie bieten Schutz vor gewaltverherrlichenden, vulgären und pornografischen Inhalten. Dadurch erhalten die Kinder zwar weniger Ergebnisse auf ihre Suchanfragen, aber können sich sicher sein, auf jugendfreie Inhalte zu stoßen. Ein weiterer Vorteil ist die simple Formulierung von Texten, zum Beispiel auf informativen Webseiten. Diese werden von Kindern häufig als Unterstützung für die Hausaufgaben genutzt und daher spielt die Verständlichkeit eine große Rolle. Durch die Überprüfung von spezialisierten Redakteuren wird zudem viel Wert darauf gelegt, Websites zu blockieren oder zu löschen, die Trojaner, Viren oder sonstige Malware enthalten. Somit wird den Kindern Schutz vor bösartiger Software und Spionage gewährleistet.

Die Unbeliebtheit der kindgerechten Suchmaschinen kann schlussfolgernd damit begründet werden, dass die Eltern gar nicht über deren Existenz informiert sind und ihre Kinder nicht auf diese aufmerksam machen können. Wir empfehlen allen Kindern von bis zu 12 Jahren die Kindersuchmaschinen zu nutzen, um sich selbst vor expliziten Webinhalten und Malware zu schützen. Weitverbreitete Kindersuchmaschinen, die leicht in der Anwendung sind, sind etwa fragFINN oder Blinde Kuh.

Als Möglichkeit für den Schutz vor nicht kindgerechten Inhalten kann zudem auch eine Kindersicherung eingesetzt werden.

5 Gründe, die für eine Kindersicherung sprechen:

  1. Wenn ein Filter installiert wird und die Eltern sich der Sicherheit ihrer Kinder im World Wide Web bewusst sind, bietet das den Kindern automatisch mehr Freiheit.
  2. Es können keine Viren runtergeladen oder kostenpflichtige Abofallen betätigt werden, da der Filter unsichere Webseiten blockiert.
  3. Filterung von Webseiten mit inhaltlich ungeeignetem Bild- und Videomaterial
  4. Eingeschränkte Rechte am PC: Kinder haben nach Installation der richtigen Filtersoftware nur eingeschränkt Möglichkeiten, am Computer Aktionen durchzuführen, ohne dass der Administrator dies erlaubt.
  5. Cybersicherheit: Jährlich werden Millionen Menschen Opfer von Cyberkriminalität. Kinder neigen beim Surfen häufig dazu, zu viele Informationen preiszugeben. Dieses Verhalten nutzen Cyberkriminelle oft aus, um Informationen zu sammeln und zu missbrauchen.

Wie?
Im Internet gibt es unzählige Angebote an Programmen und Software, mit denen sich eine Kindersicherung einrichten lässt. Außerdem raten wir allen Eltern, dem Kind einen eigenen Benutzer zu erstellen, die Nutzungsrechte einzuschränken und ausschließlich dem Administrator vollen Zugriff zu gewähren. Wir vom KRF versuchen, Angebote zu schaffen, die Kindern, Eltern und Lehrern verständlich vermitteln, wie sie Kindersuchmaschinen und FIlter einrichten und benutzen. Dazu wollen wir Onlinekurse anbieten und von uns produzierte Podcasts und Videos zur Verfügung stellen.

Was hat das mit Kinderrechten zu tun?

Ein kompetenter und sicherer Umgang mit digitalen Medien ist für Kinder und Jugendliche heutzutage unumgänglich. Sicherzustellen, dass Kinder vor bedrohlichen Inhalten und Begegnungen im Internet geschützt sind, bedeutet, Kinderrechte zu verwirklichen. Folgende Kinderrechte spielen bei den Themen Digitalisierung und Kinder im Netz eine wichtige Rolle:

 

Artikel 3: Erwachsene müssen so handeln und Entscheidungen treffen, das diese dem Wohl des   Kindes dienen

Artikel 13: Kinder haben das Recht zu erfahren, was in der Welt vor sich geht und sich mitzuteilen, ohne dabei Andere zu verletzen oder zu kränken.

Artikel 16: Kinder haben das Recht auf Privatsphäre.

Artikel 17: Kinder haben das Recht, Informationen zu erhalten und zu verstehen. Erwachsene müssen dabei dafür sorgen, dass diese Informationen dem Kind nicht schaden.

Artikel 19: Kinder haben das Recht auf Schutz.

Artikel 28: Kinder haben das Recht auf eine gute Schulbildung.

Artikel 34: Kinder haben das Recht auf Schutz vor sexuellem Missbrauch.

Artikel 35: Kinder haben das Recht auf Schutz vor Entführung und Verkauf.

Artikel 36: Kinder haben das Recht auf Schutz vor jeglicher Art von Ausbeutung.

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