Kinderarmut

Kinderarmut

Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut betroffen oder bedroht. Das sind 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche. Kinderarmut ist mehr, also nur wenig Geld zu haben. Sie beeinträchtigt die Chancen für das ganze Leben. Was aber bedeutet Armut für Kinder genau? Welche Folgen zieht Armut nach sich und was können wir dagegen tun?

 

Die Fakten

Kinderarmut ist ein bedeutendes strukturelles Problem in Deutschland. Auch wenn viele Menschen heutzutage davon überzeugt sind, dass Armut bei Kindern ein Thema der Vergangenheit ist, macht eine neue Studie der Bertelsmannstiftung etwas ganz anderes deutlich:  Der Anteil armutsgefährdeter Kinder liegt zur Zeit bei 21,3% und ist in den letzten neun Jahren damit sogar um etwa 1,5% angestiegen. Kinderarmut ist regional sehr unterschiedlich, während in Ländern wie Bremen, Berlin oder Hamburg sehr hohe Anteile an Kinderarmut zu verzeichnen sind, liegen die Werte in den südlichen Bundesländern deutlich darunter. Besonders stark betroffen von Armut sind Kinder, die in Ein-Eltern-Haushalten oder in Familien mit mehr als drei Kindern aufwachsen. 45,2% der in Armut lebenden Kinder wachsen mit mit nur einem Elternteil auf. Armut führt dazu, dass viele Kinder keinen Zugang zu Gütern und Aktivitäten haben, die wichtig sind für die ENtwicklung und gesellschaftliche Teilhabe.

Welche Folgen hat Kinderarmut?

Kinderarmut ist mehr, als nur wenig Geld zu haben. Sie hat zur Folge, dass arme Kinder und Jugendliche mehr Ausgrenzung erfahren, sich oft schämen und die Armut einen großen Teil ihres Lebens bestimmt. Die Kinder haben in vielen Fällen keinen Rückzugsort, um in Ruhe zu lernen, Hausaufgaben zu machen oder um einfach ein wenig Privatsphäre zu haben. Sie haben oft nicht den Zugang zu einem internetfähigen Computer, was in Kombination mit dem Mangel an einem Arbeitsplatz schnell dazu führen kann, dass die Kinder in der Schule zurückfallen. Kinder, die in Armut aufwachsen, erhalten weniger Bildungschancen, sie wiederholen öfter eine Klasse, haben schlechtere Noten und bekommen seltener eine Empfehlung für das Gymnasium. So kann aus Kinderarmut sehr schnell Bildungsarmut werden, schlechtere Berufschancen, geringeres Einkommen und letztendlich ein Leben in Armut als Erwachsene.

Kinder und Jugendliche, die in Armut leben, sind weniger mobil und kommen seltener aus ihrem Umfeld heraus. Die Eltern besitzen oft kein Auto und haben nicht immer genug Geld für den öffentlichen Nahverkehr. Oft fehlt es an Geld für Urlaube, Klassenfahrten oder Schüleraustausche, was wiederum zu Ausgrenzung und weniger Anschluss an den Rest der Gesellschaft führen kann. Die Kinder haben oft kein Geld für neue Kleidung oder angemessene Winterkleidung. Das hat einerseits zur Folge, dass sie im Winter öfter frieren und daher auch anfälliger für Krankheiten sind. Außerdem bewirkt die Kleidung unter Umständen, dass sie in ihrer Klasse ausgeschlossen oder gemobbt werden. Ärmere Kinder leiden häufiger unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sowohl körperlicher als auch psychischer Art. Sie sind in vielen Fällen nicht Teil eines Freizeit- oder Sportvereins und zeigen daher auch oft ein schlechteres Gesundheitsverhalten, wie etwa zu wenig Bewegung oder eine ungesündere Ernährung.

Die Kinder schämen sich oft, weil sie sich nicht trauen, Freunde mit nach Hause zu nehmen oder kein Geld haben, um ab und zu mit ihren Freunden ins Kino oder ins Schwimmbad zu gehen. Sie erfinden öfter Ausreden oder melden sich krank, um nicht erklären zu müssen, warum sie bei einer Aktivität nicht mitmachen können. Sie fühlen sich als weniger zugehörig zu unserer Gesellschaft und engagieren sich auf sozialer, kultureller und politischer Ebene deutlich seltener als andere Kinder in ihrem Alter.

Kinder aus armen Familien fühlen sich in unserer Gesellschaft unsicherer, sie werden vermehrt ausgegrenzt, gemobbt und erleben Gewalt. Wie all diese Beispiele zeigen, hat Kinderarmut zahlreiche, schwerwiegende Folgen, die sich auf das gesamte Leben eines Kindes auswirken können. Armut ist ein Teufelskreis, der Bildung, Gesundheit, soziale Kontakte und das Wohlbefinden eines Kindes beeinträchtigt und aus dem man alleine nur schwer wieder ausbrechen kann. Darum ist es wichtig, dass den Kindern dabei geholfen wird.

Was können wir dagegen tun?

Um Kinderarmut bekämpfen zu können ist es wichtig, dass wir den Kindern zuhören, welche Änderungen sie für wichtig halten und anschließend Maßnahmen ergreifen, um diese Änderungen umzusetzen. Aus finanzieller Sicht ist es wichtig, eine Kindergrundsicherung anzuschaffen, die allen Kindern ermöglicht, eine zumindest durchschnittliche Kindheit oder Jugend zu haben. Es braucht bessere Kitas und Schulen, besonders in sozial schwächeren Vierteln, in denen die Kinder und Jugendliche speziell gefördert werden können und die Angebote zur Hausaufgabenbetreuung oder Sportaktivitäten liefern. Weiterhin sind Anlaufstellen für die Kinder und Jugendlichen wichtig, an die sie sich bei Problemen wenden können und wo ihnen jemand zuhört. All diese Punkte sind entscheidend im Kampf gegen Kinderarmut. Wir vom KRF KinderRechteForum setzen uns besonders dafür ein, auf kritische Themen aufmerksam zu machen und den Kindern eine Anlaufstelle bei Problemen zu geben.

Mehr Infos zum Thema Kinderarmut findet ihr auf unserer Informationsseite zur Studie der Bertelsmann Stiftung und auf der Website der Bertelsmannstiftung sowie der Initiative #stopptkinderarmut.

Außerdem könnt ihr hier auch die Petition Kinder-und Jugendarmut bekämpfen unterschreiben, um einen Beitrag zu leisten.

Falls ihr Erfahrungen mit Kinderarmut gemacht habt, gibt es auf der Website der #stopptkinderamut Initiative Hilfe-Angebote oder wendet euch an unsere Ombudsstelle beim KRF.

 

Kontaktiere uns!

© 2020 KRF KinderRechteForum gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt). Alle Rechte vorbehalten.